August 2026
Die Nebius Group gehört zu den jungen und zugleich ungewöhnlichen Börsengeschichten des KI-Booms. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis zum 1997 gegründeten Internetkonzern Yandex zurück, der sich über viele Jahre zum führenden russischen Technologieunternehmen entwickelte. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine begann die niederländische Muttergesellschaft mit der Trennung vom Russlandgeschäft. 2024 wurde dieser Prozess abgeschlossen und aus der bisherigen Yandex N.V. entstand die Nebius Group mit Sitz in Amsterdam. Die Aktie wird unter dem Kürzel NBIS an der Nasdaq gehandelt.
Heute konzentriert sich Nebius vor allem auf den Aufbau einer speziell für künstliche Intelligenz entwickelten Cloud-Infrastruktur. Das Unternehmen betreibt und errichtet leistungsfähige Rechenzentren, in denen insbesondere moderne KI-Chips von NVIDIA eingesetzt werden. Kunden können diese Rechenleistung nutzen, um KI-Modelle zu trainieren oder große KI-Anwendungen zu betreiben. Nebius tritt damit in einem stark wachsenden Markt gegen spezialisierte Anbieter wie CoreWeave, aber indirekt auch gegen die großen Cloudplattformen von Microsoft, Amazon und Google an.
Neben dem eigentlichen KI-Cloudgeschäft gehören weitere Technologieaktivitäten zur Gruppe. Dazu zählen Avride, ein Entwickler autonomer Fahrzeuge und Lieferroboter, sowie die Bildungsplattform TripleTen. Außerdem besitzt Nebius Beteiligungen an Unternehmen wie ClickHouse und Toloka. Der mit Abstand wichtigste Wachstumstreiber ist inzwischen jedoch die KI-Infrastruktur.
Besonders interessant ist, dass Nebius bereits große Technologiekonzerne als Kunden gewinnen konnte. Langfristige Verträge über die Bereitstellung von KI-Rechenleistung geben dem Unternehmen eine bessere Planbarkeit für den weiteren Ausbau seiner Infrastruktur. Gleichzeitig investiert Nebius Milliardenbeträge in neue Rechenzentren, GPUs, Netzwerktechnik und Stromkapazitäten. Das Geschäftsmodell profitiert damit unmittelbar vom weltweit steigenden Bedarf an Rechenleistung für künstliche Intelligenz.
Die Wachstumschancen sind entsprechend groß, allerdings ist das Geschäft ausgesprochen kapitalintensiv. Neue Rechenzentren müssen zunächst gebaut und mit teurer Hardware ausgestattet werden, bevor sie Umsätze erwirtschaften. Hinzu kommen der starke Wettbewerb und die Gefahr, dass sich die Technologie bei KI-Chips und Rechenzentren sehr schnell weiterentwickelt.
Auch die Aktie spiegelt diese Mischung aus großen Erwartungen und hohen Risiken wider. Seit dem Neustart als Nebius entwickelte sich Nebius zeitweise zu einem der gefragtesten KI-Infrastrukturwerte an der Nasdaq, wobei der Kurs gleichzeitig erhebliche Schwankungen zeigte. Anleger bewerten Nebius inzwischen kaum noch nach seiner Vergangenheit als Yandex-Muttergesellschaft, sondern vor allem nach dem zukünftigen Wachstum des KI-Cloudgeschäfts.
Sollte der weltweite Ausbau künstlicher Intelligenz in den kommenden Jahren anhalten, befindet sich Nebius in einem attraktiven Wachstumsmarkt. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen seine Rechenzentrumskapazitäten schnell genug ausbauen und die hohen Investitionen langfristig in profitable Umsätze verwandeln kann. Gelingt dies, könnte sich Nebius als einer der bedeutenden unabhängigen Anbieter von KI-Infrastruktur neben den großen amerikanischen Cloudkonzernen etablieren.
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